200919Mai

Gedankengang: 3D-Software von Adobe?

Seit Version 10 (CS3) unterstützt Photoshop verschiedene Möglichkeiten zur Bearbeitung von 3D-Objekten: Die importierten 3D-Modelle können gedreht, skaliert und neu beleuchtet werden — dabei werden die gängigen 3D-Formate 3DS und OBJ unterstützt (zudem DAE, U3D und KMZ). Weiterhin lassen sich die dreidimensionalen Objekte auch mit einem Pinsel bemalen. Photoshop CS4 bringt diverse Neuerungen für das 3D-Werkzeug.

Exkurs: Nachdem der Platzhirsch Autodesk (3ds Max, Maya, Mudbox) zuletzt auch noch die 3D-Suite SoftImage übernommen hatte, gibt es nur noch wenige eigenständige Komplettpakete wie Cinema 4D, Lightwave 3D oder Realsoft. Andere Produkte aus dem 3D-Bereich sind auf spezielle Techniken ausgelegt, so etwa ZBrush, Modo, Silo oder Rhino — diese Anwendungen bieten daher nur eingeschränkte Rendering- oder Animationsmöglichkeiten.

Die beliebteste kostenlose 3D-Suite dürfte Blender sein, die 2002 von der Community für 100.000 EUR freigekauft wurde. Das Programm bietet alles, was man zum Erstellen von komplexen 3D-Szenen (Rigging, Animation, Rendering, Nodes, etc.) benötigt.

Blender

Zurück zu Adobe Systems: Der Punkt ist nun, dass die Firma aus Kalifornien bisher keine Software anbietet, mit der es möglich ist, dreidimensionale Szenen zu erstellen. Zwar gab es bis 2004 Beta-Versionen des Programms Adobe Atmosphere, mit dem sich 3D-Szenen für das Web erstellen ließen (Adobe wollte diese 3D-Unterstütztung an ein entsprechendes Browser-Plugin koppeln) — allerdings wurde das Programm eingestellt und bis dato nicht mehr aufgegriffen.

Eine Prognose könnte nun so aussehen: Die Produktpalette von Adobe bietet mit After Effects und Premiere schon seit längerer Zeit umfangreiche Programme für Videobearbeitung und Postproduktion. Mit den etlichen (und zum Teil komplexeren) Video-Anwendungen von Autodesk oder Avid ist das Angebot von Adobe sicherlich nicht zu vergleichen — dennoch zählt die Compositing-Software After Effects zu den Standardprogrammen für Effekte im Film- und Fernsehbereich (Offline-Editing).
Ein logischer Schritt von Adobe könnte also darin bestehen, das Produktspektrum um eine 3D-Anwendung zu erweitern. Dabei müsste man den Ansatz von Adobe Atmosphere überdenken, da die Flash-Plattform dominiert und Google erst vor kurzem mit O3D ein neues Browser-Plugin zur 3D-Unterstütztung entwickelt hat. Außerdem bietet Adobe mit Director eine erweiterte Authoring-Umgebung, mit der sich auch komplexe 3D-Szenen für das Web (Shockwave) erstellen lassen: Das Programm ist jedoch nicht auf die Erstellung (3D-Modeling) von dreidimensionalen Objekten ausgelegt, sondern auf die Programmierung und Animation solcher Modelle.

Die zukünftigen Anwendungen von Adobe Systems werden übergreifender und enger miteinander verknüpft sein (mit Flash lassen sich beispielsweise schon Ebenen aus Photoshop-Dateien importieren). Dementsprechend verändert sich auch die Adobe-Gemeinde, da sich mit den aktuellen Programmen mehr Möglichkeiten eröffnen (auch Flash CS4 bietet nun Funktionen zur Animation von 3D-Objekten) — Benutzer wollen daher 3D-Szenen nicht nur importieren, sondern auch erstellen können. Eine Software im Stil von 3dsMax oder Maya könnte daher denkbar sein.
Anfangs würde man eine relativ einfach bedienbare Anwendung schaffen, mit der sich grundlegende 3D-Körper erstellen ließen: Werkzeuge für das Modellieren (Subdivision Surfaces, NURBS), Beleuchten, Texturieren und Berechnen von dreidimensionalen Elementen würden ausreichen, um komplexe Szenen zu erstellen. Später könnte man die Software um aufwendige Funktionalitäten wie Flüssigkeits-, Haar- oder Partikelsimulationen erweitern.

Natürlich ist das alles fiktiv und momentan wohl nicht geplant. Ich bin dennoch sehr gespannt, wie Adobe seine Produkte weiterentwickeln wird.

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