200929Jan

Internet Explorer 8: Release Candidate 1

Nach dem Abschluss der Beta-Phase ist nun der Release Candiate 1 (RC1) des Internet Explorer 8 erschienen. Der brandneue Browser von Microsoft ist nun für die breite Öffentlichkeit zugänglich und kann daher heruntergeladen und getestet werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass direkt nach dem Release Candidate die finale Version des Internet Explorer 8 erscheint. Somit wird also der Browsermarkt erneut aufgemischt, was zuletzt durch die Finalversion von Googles Chrome geschehen ist.

Der neue Internet Explorer hält sich nun wesentlich mehr an Webstandards (W3C) als seine Vorgängerversionen, da Microsoft die Rendering-Engine extrem überarbeitet hat. Dies dürfte nicht im Interesse der Webentwickler sein, da viele Seiten extra für das Rendering des Internet Explorer 6 angepasst werden mussten (müssen) — daher werden diese speziellen Hypertext-Dichtungen in Version 8 des Browsers nicht mehr einwandfrei dargestellt.

Internet Explorer 8 RC1

Gegen das fehlerhafte Darstellen von Websites hat Microsoft einen Kompatibilitätsmodus in seinen neuen Browser integriert, mit dem Seiten im Internet Explorer 7-Stil angezeigt werden können. Der Softwarekonzern hat eine Liste bereitgestellt, in der bereits Seiten vermerkt sind, die von dem neuen Rendering des Internet Explorer 8 betroffen sind und fehlerhaft dargestellt werden. Dies ist immerhin ein kleiner Trost, auch wenn sich das Internet Explorer 7-Rendering schon von Version 6 unterscheidet. Ich persönlich konnte bisher feststellen, dass der Opazitätseffekt von jQuery nicht funktioniert hat — dafür unterstützt der Microsoft-Browser aber nun endlich das CSS-Attribut ":focus" bei Eingabefeldern.

Internet Explorer 8 bietet nun auch "InPrivate-Browsing" an: Wenn diese Funktion aktiviert ist, wird das Speichern von temporären Internetdaten, Cookies, Anmeldedaten und Formularwerten verhindert. Neben dieser Bereicherung gibt es noch weitere Verbesserungen wie beispielsweise eine intelligente Adressleiste, eine erweiterte Suchbox, Tab-Gruppierungen, eine Schnellsuchfunktion, einen Malware-Filter sowie einen aufpolierten Phishing-Schutz. Durchaus dürften diese Features den trendbewussten Browserbenutzer nur wenig überraschen: Konkurrenzprodukte wie Firefox, Opera und auch Google Chrome bieten fast alle der genannten Funktionen schon längst an.

Dennoch gibt es auch Neuerungen für Entwickler, die bei anderen Browsern noch nicht gesichtet wurden: So lässt sich in Internet Explorer 8 nun endlich ein Editor festlegen, mit dem der Quelltext einer Website angezeigt werden soll. Weiterhin hat Microsoft die "Internet Explorer Developer Tools" eingeführt, die ein Pendant zu Firebug darstellen — ein ordentliches Debugging-Tool für HTML, CSS und JavaScript, mit dem sich beispielsweise CSS-Klassen live editieren, entfernen und erweitern lassen. Die "Entwicklertools" lassen sich wie Firebug mit F12 öffnen und sind sehr komfortabel in der Bedienung. Somit wird das Benutzen der Internet Explorer Developer Toolbar überflüssig.

Internet Explorer 8 Entwicklertools

Was die Konformität der W3C-Standards angeht, so besteht Internet Explorer 8 den Acid2-Test erfolgreich, erreicht aber beim Acid3-Test nur magere 20 Punkte — Mozillas Firefox 3.0.5 schafft es immerhin auf 71 von 100 Punkten. Das Versprechen von Microsoft, Version 8 des Internet Explorers würde alle Web-Standards einwandfrei erfüllen, ist somit nicht widerlegt. Aber es handelt sich immer noch um einen Release Candidate, so dass sich in der Finalversion des Browsers noch etwas ändern kann.

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