200905Feb

Naked Light: Innovative Bildbearbeitung für OS X

Auch wenn ich kein Besitzer eines Apple-Computers bin, möchte ich den Leopard-Nutzern (Mac OS X 10.5) ein interessantes Programm ans Herz legen. Es handelt sich um ein Bildbearbeitungsprogramm von Brandon Rosse mit dem Namen Naked Light. Bei dieser Anwendung handelt es sich nicht um eine weitere Standard-Bildbearbeitungssoftware: Der Entwickler geht neue Wege, die ich mir eigentlich auch von Photoshop erhofft hatte. Das Hauptmerk des Programms liegt daher auf der nicht-destruktiven (und nicht-linearen) Bilddatenverarbeitung. Die Idee ist nicht neu und wird in der Video- und Filmtechnik schon lange angewandt. Die Stichworte sind "Node-based compositing" und "Non-linear editing". Der erste Begriff beschreibt eine Bearbeitungsmethode, bei der Knotenpunkte (Nodes) benutzt werden, um Ebenen und Effekte miteinander zu verknüpfen und eine komplexe Struktur zu schaffen.

Naked Light

Anwendungen aus der Videobearbeitung mit dieser Methode sind zum Beispiel Shake, Nuke und auch die 3D-Software Blender. Naked Light arbeitet ebenfalls mit solchen Knotenpunkten, wodurch das 1-dimensionale Ebenenkonzept von Photoshop gebrochen wird und die Ebenen auf 2-dimensionaler Basis angeordnet und miteinander verknüpft werden können.
Beim nicht-linearen Editieren (Non-linear editing) handelt es sich um eine Arbeitsweise, bei der das Arbeitsmaterial (z.B. Videoclips) in seiner Reihenfolge variabel ist. Das heißt, dass einzelne Objekte (oder Arbeitsschritte) aus dem Gesamtkomplex entfernt werden können, ohne dass die nachfolgenden Elemente beeinträchtigt werden. Auf die Bildbearbeitung (Naked Light) bezogen bedeutet das: Angewandte Effekte und Filter können jederzeit editiert und entfernt werden. In Photoshop ist dies mittlerweile auch durch Smartfilter möglich. Allerdings sind bei Smartfilter-Ebenen nicht mehr alle Funktionen verfügbar: So lässt sich eine Smartfilter-Ebene nicht verzerren und Werkzeuge wie das Wischfinger- oder Abwedler-Werkzeug lassen sich ebenfalls nur auf gerasterte Ebenen anwenden. Die bei Naked Light benutzten "Live Filter" bieten diese Vorzüge — der Entwickler zählt die Unterschiede zwischen Live Filter und Smartfilter auf seiner Website auf.

Naked Light

Neben diesen innovativen Funktionsweisen bietet Naked Light noch Werkzeuge zum Bearbeiten von Photos an, wie beispielsweise Pinsel oder Scharf- und Weichzeichner. Naked Light besitzt keine feste Auflösung, sondern arbeitet wie Adobe Illustrator mit echten Maßeinheiten (cm, mm, pt, inch) und rechnet die Bilddaten beim Exportieren in Pixel um. Somit bietet die Software Vorzüge aus der Vektorwelt: Die Daten von Pinselstrichen werden als hybride Daten (Vektoren und Pixel) abgelegt und sind somit auch zu einem späteren Zeitpunkt noch editierbar. Naked Light erlaubt durch diese hybride Datenverarbeitung eine 64-fache Vergrößerung (Zoom).

Insgesamt machen die Screenshots des Programms Lust auf mehr. Zwar fehlen etliche Funktionen, die Photoshop bietet, aber die Grundidee der Software ist auf jeden Fall ein Schritt in die Bildbearbeitung der Zukunft.
Naked Light befindet sich momentan noch in der Beta-Phase, die voraussichtlich im Frühjahr 2009 enden wird. Die Betaversion des Programms lässt sich auf dem Blog des Entwicklers herunterladen. Für 50 USD unterstützt man die Entwicklung der Software und erhält kostenlos die Finalversion, wenn diese erscheint. Naked Light wird in seiner finalen Ausgabe dann für 99 USD zu haben sein.

Übrigens bietet der Programmierer auch eine Bildbearbeitungssoftware für das iPhone an: Mit Naked Touch lassen sich Bilder anpassen (Rauschen entfernen, Schärfen, Lichter/Tiefen anpassen, Gradationskurven) und zuschneiden. Dieses kleine Programm ist für 9.99 USD zu haben.