201205Mär

Windows 8: Kurztest der Beta-Version

Windows 8 stellt wahrscheinlich die größte Umstrukturierung dar, die in der bisherigen Geschichte des Betriebssystems verzeichnen ist. Die starke Ausrichtung auf Tablet-PCs zeigt ihre Konsequenzen in der Bedienung des Systems und man darf gespannt sein, wie gut diese von den Anwendern angenommen werden. Es gibt mittlerweile schon etliche Tests im Netz und ich will in diesem Beitrag nur die Punkte beleuchten, die mir bei dem Test aufgefallen sind.
Seit dem Bestehen von Betriebssystemen mit grafischen Benutzeroberflächen wurden bestimmte Konzepte und Elemente ausgearbeitet, die im Prinzip bis heute erhalten sind: Leisten, welche die geöffneten Programme signalisieren, Fenster und ein Desktop-Modell sind zentrale Elemente, die sich sowohl in Windows als auch in Mac OS X oder Linux finden. Dinge wie die "Start"-Schaltfläche, die Taskleiste oder ein Fensterwechsel (ALT + TAB) stellen abgewandelte Bereiche dar, die in jedem modernen Betriebssystem variieren. Windows 8 versucht nun das Spagat zwischen Desktop- und Tablet-Computer. Das Resultat spiegelt sich in einer zweiten Oberfläche wider, die parallel zum klassischen Windows-Desktop anzusehen ist.

Windows 8 Metro-Style-Desktop

Der "Windows 8 Metro-Style-Desktop" stellt also die neue Oberfläche dar, die nach dem Bootvorgang zu sehen ist. Der klassische Desktop ist wie eine Metro-Style-App anzusehen, die über das Metro-UI aufgerufen werden kann. Wer übrigens direkt in den gewöhnlichen Desktop booten möchte, kann sich diese Anleitung ansehen. Über eine einfache Verknüpfung (zu "Desktop anzeigen") wäre das beispielsweise möglich.

Jede Ecke des Bildschirmbereichs ist mit einer Funktionalität belegt — so kann etwa die "Charm-Bar" geöffnet werden, das Metro-UI aufgerufen werden oder zwischen Metro-Style-Apps gewechselt werden. Klassische Fenster und Metro-Style-Apps besitzen also jeweils eine eigene Methode, um zwischen den Fenstern zu wechseln. Da der gewöhnliche Desktop auch eine eigene App darstellt, kann er (wie alle anderen Metro-Apps) über eine Wischgeste geschlossen werden. Der Desktop ist dann natürlich nur ausgeblendet und taucht nur nicht mehr in der "Metro-Taskleiste" auf (die Shell läuft also weiter). Dieses Modell dürfte wahrscheinlich die größte Neuerung sein, an die man sich erst noch gewöhnen muss. Sobald das Prinzip verstanden wurde, lässt sich auch unter Windows 8 schnell arbeiten: Über die Windows-Taste kann zwischen klassischer Desktop-Ansicht und Metro UI-Ansicht gewechselt werden und direkt nach dem Betätigen der Taste können Suchbegriffe eingegeben werden, mit denen Programme gestartet werden können.

Die "Start"-Schaltfläche wurde komplett entfernt und somit auch das Startmenü. Die "Charm-Bar" auf der rechten Seite könnte als neues Startmenü angesehen werden, wobei sich Programme seit Windows 7 innovativ über die neue Taskleiste aufrufen lassen. Mit Windows 8 wird womöglich eine Kluft zwischen professionellen Anwendern und Benutzern aus dem Heim-/Mobile-Bereich entstehen. Apps werden stärker im Vordergrund stehen, was grundsätzlich auch für Webentwickler interessant ist, da sich die Metro-Style-Anwendungen unter Anderem auch mit Webtechnologien umsetzen lassen.

Der Task-Manager von Windows 8 wurde überarbeitet und mit neuen Informationen ausgestattet, die wirklich über jeden Prozess ausreichend Auskunft geben. Das komplette Design des Betriebssystems überzeugt durch schlichte Gestaltung und luftige Typografie. Das Interface kann zudem auch angepasst werden, wobei hier der Metro-Desktop eine eigene Abteilung für Anpassungen besitzt.
Abschließend noch ein paar Fakten, die verschiedene Bereiche betreffen:

  • Desktop-Anwendungen glänzen ab jetzt im Ribbon-Interface (Office)
  • eine "Teilen"-Funktionalität für soziale Netzwerke ist integriert
  • der Aero-Fensterwechsel mittels WIN + TAB wurde entfernt
  • das Herunterfahren ist über die Charm-Bar oder mit WIN + I möglich
  • Windows 8 kann mit einer "Windows Live"-ID verbunden werden (dauerhafte Netzverbindung)
  • Metro-Style-Apps, die mit HTML/CSS/JavaScript entwickelt wurden, werden als "WinWebApps" bezeichnet
  • für WinWebApps gibt es ein spezielles JavaScript-Framework namens "WinJS", mit dem sich auf bestimmte Funktionen von Windows 8 zugreifen lässt
  • native Metro-Style-Apps (C#, C++, Visual Basic) bauen auf der nativen COM-Klassenbibliothek "Windows RunTime" (WinRT) auf, die nicht für .NET- oder Win32-Anwendungen genutzt werden kann

Metro-Apps können zudem Zugriff auf den Standort erhalten und auch andere Informationen können an Microsoft übermittelt werden. Abstellen lässt sich diese Übermittlung von Daten in den PC-Einstellungen (zu finden in der Charm-Bar).

Windows 8 M- PC-Einstellungen

Der Internet Explorer 10 liegt in Windows 8 in zwei Versionen vor: Als Metro-Style-App und als klassische Desktop-Anwendung. In der Metro-Version werden keine Plugins wie ActiveX oder Flash unterstützt. Der Benutzer kann per Klick (oder Touch) in die Desktop-Version wechseln. Im HTML5-Test schafft es Internet Explorer 10 auf 314 Punkte, während Chrome 17 auf 374 Punkte und Firefox 10 auf 332 Punkte kommen.

Internet Explorer 10 und HTML5

Übrigens wurde mit Version 10 des Internet Explorers auch eine voreingestellte Option in den "Info"-Dialog eingebaut, die man sich schon mit Version 6 des Microsoft-Browsers gewünscht hätte.

Internet Explorer 10

Durch diese Option werden neue Versionen des Internet Explorers also automatisch installiert. Die Chancen sind also groß, dass Windows-Benutzer künftig immer mit der aktuellsten Browser-Version unterwegs sind. Allerdings ist das Zeitalter der IE6-PNG-Fixes vorbei und auch die Ära der IE7/IE8-Optimierung neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu. Webentwickler werden in den kommenden Jahren also weniger Weichen und Fallbacks implementieren müssen, wobei auch die HTML5-Unterstützung von Internet Explorer 10 noch nicht ganz ausgereift ist.

Das Schlusswort: Windows 8 fühlt sich interessant an, wird Innovationen schaffen und hoffentlich auch im professionellen Bereich eine gute Figur abgeben. Das Betriebssystem soll laut Windows8Beta.com übrigens in 10 Versionen erscheinen:

  • Windows 8 Enterprise Edition
  • Windows 8 Enterprise Eval edition
  • Windows 8 Home Basic Edition
  • Windows 8 Home Premium edition
  • Windows 8 ARM edition
  • Windows 8 Professional edition
  • Windows 8 Professional Plus edition
  • Windows 8 Starter edition
  • Windows 8 Ultimate edition

Mit der endgültigen Veröffentlichung der finalen Version ist wahrscheinlich im Oktober 2012 zu rechnen. Die nächste Version wird der Release Candidate (Enterprise Preview) sein, woraufhin die finale Fassung erscheinen wird.

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Kommentare

Don schrieb am 13.03.2012 #1

ich finde es wirklich eine tolle Sache, das Windows mal was neues wagt. Je durchdachter und ausgeklügelter es ist, desto besser. Wenn sie wirklich was innovatives wagen würden, würden sie auch den Desktop entfernen…

Zudem denke ich, das man den Unterschied zwischen Entwickler und Konsument nicht verachten sollte, denn für mich kommen diese Kacheln bisher eher als Inforkästchen rüber, nicht mehr und nicht weniger. Wenn man dann bei diesem neuen Destktop ist, hat man dann wieder sein "altes" Windows, und ich wette mit den Uralt-Datei-Öffne Dialog (anno 1989) und der grottigen Farb- und Schriftauswahl usw. das wird doch nicht aufhören…

Die meisten werden dann wohl wieder ihrer alten Gewohnheit folgen und alles erstmal "ausschalten" und wieder auf alte Gewohnheiten zurücksetzen (wie du mit dem Desktop schon geschrieben hast).

Man wird sich dann fragen können: ist es eine wirkliche Verbesserung oder vielmehr nur eine weiter Alternative?

XYZ schrieb am 23.03.2012 #2

Sie wissen schon, das das hier Unsinn ist:

"gewöhnliche Desktop auch eine eigene App darstellt"

der Desktop ist kene App!

Matthias schrieb am 26.03.2012 #3

Nun ja, die Formulierung könnte etwas irreführend sein, aber der gewöhnliche Desktop wird in der Metro-Oberfläche behandelt wie eine Metro-App — er kann in die "Metro-Taskbar" minimiert und auch beendet werden. Ich denke, dass das von vielen Anwendern erst einmal verstanden werden muss, deshalb wählte ich den Begriff "eigene App".